Der Puppenspielkreis

Ein Beitrag aus dem Waldorfkindergarten Lauffen

Seit Gründungsbeginn 1973 gibt es einen „Puppenspielkreis" in unserem Waldorfkindergarten in Lauffen. Am Anfang lag es in den Händen der Eltern und seit ungefähr 30 Jahren wird das Puppenspiel von einer Erzieherin begleitet. Dass es diese Gruppe schon lange gibt, zeigt uns, wie wichtig das Puppenspiel für die Kindergartengemeinschaft geworden ist. Das Puppenspiel in der Waldorfpädagogik regt in einer einzigartigen Weise die Sinne des Kindes an. Durch phantasievoll gestaltete Landschaften mit Naturmaterialien werden die Sinne des Kindes auf natürliche und liebevolle Weise für das Wahrnehmen von Ästhetik (Schönheitssinn) gepflegt. In besonderem Maße geschieht dies beispielsweise durch das sorgfältige Bügeln der Seidentücher und der künstlerischen Ausgestaltung einer jeden Puppenspiellandschaft. Aus diesem Grund wird großen Wert auf die Qualität der Stoffe und die harmonische Zusammenstellung der Farben, sowohl an den Gewändern der Figuren, als auch der Landschaften gelegt.

Der Sehsinn ist eines der wichtigsten Sinnestore, durch die wir die Welt in uns einlassen. Alles was das Kind sieht, erscheint ihm wesenhafter als uns, solange es sich im „mythischen" Alter bewegt. Es sieht und erlebt das Geheimnis eines dunklen Waldes oder den Zauber einer mit Blumen übersäten Lichtung, wo die Zwerge und die Blumenelfen wohnen. Das Kind schaut nicht nur äußerlich, sondern nimmt das Gesehene ganzheitlich wahr und verankert es in inneren Bildern.

Das Hören ist wiederum das Sinnestor zur Sprachwahrnehmung. Nicht nur der Sinngehalt wird wahrgenommen, sondern auch die Sprachmelodie. Das Kind nimmt wahr, ob die erklingende Sprache es vermag, die schöpferischen Kräfte anzuregen und ob sie echt und wahrhaftig ist. Da das Kind seiner Umwelt mit Vertrauen und Interesse begegnet, können wir als Bezugspersonen des Kindes (hier in Form der vertrauten Erzieherin als Puppenspielerin und Geschichtenerzählenin) dem Kind auf der seelischen Ebene ein großes Geschenk machen. Erlebt das Kind auf authentische Weise unser Puppenspiel, wird es dadurch angeregt das Erlebte im freien Spiel nachzuahmen und auf seine ganz eigene Weise aufzugreifen und in eigenen Bildern, und Bewegungen umzusetzen. Der Spannungsbogen eines Puppenspiels erzählt etwas aus dem Leben der Kinder, kleine Aufgaben werden ergriffen und bewältigt. Da jedes Puppenspiel und Märchen ein gutes Ende hat (das Gute siegt über das Böse), kann das Kind ein Urvertrauen entwickeln, Erlebtes auf der seelischen Ebene verarbeiten und nach jedem guten Ende ganz beruhigt ausatmen und inneren Frieden erleben. Mit großer Bewunderung und Staunen beobachten wir, wie dies in unserer Einrichtung unter den Kindern lebt. Je nach Alter und Entwicklungsstufe setzen die Kinder dabei das Erlebte nachahmend um.

Die Großen legen dabei höchsten Wert auf eine originalgetreue Nachahmung mitsamt Anfangs- und Abschlusslied, sowie das Abdecken mit dem großen, blauen Seidentuch. Aber auch das Führen der Figuren und die sprachliche Erzählweise zeigt sich ganz deutlich im Nachahmungsspiel der Kinder. Bei den kleineren Kindern ist dies noch nicht so detailliert und ausgeformt, aber in dieser Altersgruppe ist es immer wieder erstaunlich und verblüffend, wie das Erlebte auf ganz eigene Weise umgesetzt und nachgeahmt wird. Seit 4 Jahren begleite ich als Erzieherin mit Freude den Puppenspielkreis. Wir sind so dankbar, dass sich jedes Jahr Eltern finden, die sich für das Spielen der Puppen begeistern lassen und mitmachen wollen. Sie bringen Ihre Ideen, Kreativität und all Ihre Begabungen mit, um so die Kinder und die ganze Kindergartengemeinschaft zu beschenken.

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