Johannifeuer bei Nacht
Ein Beitrag von Dóra Szendrö (Klassenlehrerin an der Freien Waldorfschule Aalen)
Zur Sommersonnenwende und Johanni treffen sich nach der öffentlichen Nachmittagsvorstellung des „Johannispiels“, das von den Viert- und Drittklässler*innen aufgeführt wurde, die Familien der Unterstufe auf einer nahegelegenen Wiese unserer Schule, wo die Eltern der 5. Klasse am Vormittag den großen Holzstoß des Johannifeuers aufgebaut haben. Um diesen Holzstoß entstehen Raum und Gelegenheit für Begegnungen beim Picknicken in familiärer Stimmung und die Kinder können ausgelassen spielen, bis die Johannitänze beginnen. Schon Wochen vorher üben die Klassen der Unterstufe morgens im Freien von Akkordeonklängen begleitet die Tänze, um auf der Johanniwiese auch die Eltern mit einbinden zu können.


Mit Einbruch der Dunkelheit werden die Fackeln der Fünftklässler*innen entzündet, ein Gedicht wird im Kreis um den Holzstoß gesprochen und das Feuer entfacht. Als hätten alle seit einem Jahr auf diesen Moment gewartet, beobachten alle mit Staunen und Ehrfurcht das Hochsteigen der Flammen und Funken in den sommerlichen Nachthimmel. Im Licht der Flammen erkennt man auch Gesichter aus der Mittel- und Oberstufe, immer wieder kommen sogar ehemalige Schüler*innen vorbei.
Aus dieser andächtigen Stimmung erklingt um das lodernde Feuer Gitarrenmusik und der Gesang wird immer lauter. Sowohl Erwachsene als auch Kinder schließen sich an. Die müde gewordenen verabschieden sich allmählich und treten noch im Bann der Feuerfunken und Gesänge ihren Weg nach Hause an. Die Familien der 5. Klasse bewachen das Feuer, mehrere bleiben über Nacht und halten Feuerwache. Bei Anbruch der Morgendämmerung löschen sie das Feuer, räumen die Feuerstelle und die Wiese auf.

